3 Jahre nur Abstürze! Dieser Wendepunkt änderte alles!
Mein allererstes Modellflugzeug hat mein Vater damals zu meiner Geburt gebaut. Jahre später haben wir den Flieger wieder hervorgeholt und genau mit diesem Modell versucht, das Fliegen zu lernen.
Was als gemeinsame Begeisterung begann, entwickelte sich jedoch zu einem jahrelangen Weg voller Abstürze, Reparaturen und Frust beim Modellfliegen lernen. Ich war damals kurz davor, das ganze Hobby für immer hinzuschmeißen – bis ein einziger Wendepunkt plötzlich alles verändert hat. Das ist meine Geschichte, die vor fast 50 Jahren begonnen hat.
Warum die ersten Flugversuche im Keller endeten
Der Flieger, den mein Vater damals gebaut hatte, war der Dandy von Graupner. Der hat mittlerweile stolze 50 Jahre auf dem Buckel. Damals war noch eine ganz alte Fernsteuerung dabei, mit einem Hebel vorne und einem seitlich. Die hat damals rund 1.000 D-Mark gekostet – das war irre viel Geld.
Mein Vater hat damit die ersten Flüge gemacht und ist natürlich direkt abgestürzt:
Flieger kaputt
repariert
wieder geflogen
wieder abgestürzt
Danach hatte mein Vater keine Lust mehr. Der Flieger ist im Keller gelandet und lag dort erst einmal jahrelang.
Als ich ungefähr neun Jahre alt war, habe ich den Flieger entdeckt und meinen Vater genervt: „Komm, lass uns den fliegen, lass uns das gemeinsam machen!“ Also haben wir ihn wieder hergerichtet. Doch die alte Fernsteuerung wollte nicht mehr so richtig: Die Servos haben immer komisch gezuckt. Erst viele Jahre später habe ich herausgefunden, woran das lag: Der Empfängerquarz hatte bei einem früheren Modellfliegen Absturz einen Schlag abbekommen und war defekt. Damals hatten wir aber schlicht keine Ahnung. Da die Technik weitergegangen war, haben wir uns eine neue Fernsteuerung gekauft, eingebaut – und der Flieger funktionierte wieder.
Warum das Hochstartseil mehr Reparaturen als Flugzeit brachte
Da der Dandy ein reiner Segler war, mussten wir ihn irgendwie auf Höhe bringen. Wir haben uns ein Hochstartseil gekauft und eine riesige Wiese gesucht, weit weg von Straßen, aber ringsherum von Wald umgeben.
Wir hatten absolut keine Ahnung, wie so ein Hochstart überhaupt funktioniert:
Wir wussten nicht, wie man den Flieger am Seil anstellt
Wir wussten nicht, wie man steuern muss
Mal hat es geklappt, mal ging es am Seil direkt schräg in den Boden
Dann hieß es wieder: reparieren. Wenn es doch mal geklappt hat und wir auf Höhe waren, kam das nächste Problem. Wir wussten zwar in der Theorie, dass die Richtungen vertauscht sind, wenn ferngesteuerte Flugzeuge auf einen zufliegen. Aber wenn das Modell da oben in der Luft ist, hast du keine Zeit zum langen Nachdenken.
Wir haben uns in der Luft vertan, der Segler ist über den Wald geraten und ohne Motor gab es keine Chance mehr zurückzukommen. Der Flieger war in den Baumkronen verschwunden. Wir hatten damals riesiges Schwein: Nach langer Suche fanden wir ihn am Boden liegend. Es war zwar etwas kaputt, aber er ließ sich wieder reparieren. Trotzdem galt damals: Wir haben extrem viel repariert und sind extrem wenig geflogen.
Warum eine Woche Modellflugschule keine echte Sicherheit brachte
Nach etwa einem Jahr Frust haben wir gesagt: „Jetzt reicht es.“ Mein Vater hat recherchiert und wir sind für eine Woche in eine Modellflugschule gefahren.
Dort sind wir mit einem Motormodell mit Verbrennungsmotor über alle Achsen geflogen – bei bestem Wetter, in toller Umgebung und am Lehrer-Schüler-Kabel:
Wurde es kritisch, hat der Fluglehrer sofort übernommen
Er hat uns Anweisungen gegeben, wie wir Kurven fliegen und landen sollen
Mein Vater tat sich etwas schwerer, ich als Kind etwas leichter
Aber am Ende einer ganzen Woche intensiven Fliegens hatten wir eigentlich dieselbe Unsicherheit wie vorher. Wir haben zwar etwas Übung bekommen, aber wir fühlten uns überhaupt nicht bereit, alleine zu fliegen.
Wir wollten es zu Hause trotzdem wissen, sind wieder mit dem Hochstartseil auf unsere Wiese raus – und prompt passierte es wieder: Unsicherheit beim Lenken, der Flieger driftet ab und landet voll in einer Baumkrone an der Waldgrenze. Diesmal fiel er nicht herunter. Der Baum hatte keine Äste zum Klettern.
Also sind wir heimgefahren, haben eine riesige Leiter besorgt und von einem Bekannten lange Alu-Teleskopstangen geliehen. Am Baum angekommen, reichte selbst die Alustange auf der Leiter nicht bis zum Flieger. Wir haben noch Holzlatten drangebunden, den Flieger irgendwie heruntergestochert – und genau in dem Moment ist die geliehene Stange gebrochen. Wir mussten dem Bekannten eine kaputte Stange zurückgeben und das Modellflugzeug war wieder beschädigt.
Nach einer Woche Flugschule standen wir da und konnten es immer noch nicht. Mein Vater hatte danach überhaupt keinen Bock mehr und hat aufgegeben.
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Warum das Lehrer-Schüler-Kabel eine trügerische Falle sein kann
Genau hier liegt der große Trugschluss: Viele glauben, dass man durch einen Fluglehrer am Kabel automatisch Sicherheit gewinnt.
Aber der Fluglehrer übernimmt eben immer genau dann, wenn es brenzlig wird. Man selbst versteht dabei die Reaktionen des Flugzeugs überhaupt nicht:
Warum macht der Flieger in welcher Situation was?
Wie reagiert er auf Wind und Ruder?
Was muss ich tun, um ihn selbst aus einer brenzligen Lage zu retten?
Du bekommst am Kabel keine Sicherheit für den Moment, in dem du ganz alleine auf der Wiese stehst.
Ich bin danach in einen Modellflugverein gegangen und habe mir ein neues Modell gebaut – den Riser, einen 2-Meter-Elektrosegler mit Speed-600-Motor und sieben schweren Nickel-Cadmium-Zellen. Das Teil wog 1,5 Kilo und ging im Steigflug nur im Schneckentempo nach oben.
Im Verein ging es genauso weiter wie in der Flugschule: Nette Vereinskollegen haben mich wieder ans Lehrer-Schüler-Kabel genommen. Wurde es eng, hat der Lehrer übernommen. So vergingen noch einmal zwei Jahre, ohne dass ich wirklich alleine fliegen konnte. Ich dachte mir damals: „Wie schwer kann Modellfliegen eigentlich sein? Das lerne ich im Leben nie.“
Warum dieser eine Wendepunkt alles verändert hat
Der Wendepunkt kam auf einem Jugend-Zeltlager unseres Vereins in der Rhön. Wir haben unten am Sportplatz gezeltet und sind tagsüber immer an einen kleinen Hang gelaufen.
Dort hat mich ein erfahrener Flieger an die Hand genommen – aber ganz anders als bisher:
Er hat mich nicht ans Lehrer-Schüler-Kabel genommen
Er hat mir ganz genau erklärt, warum der Flieger wann was macht und wie er auf Ruder reagiert
Er hat mir ganz einfache, klare Übungen gezeigt, die ich selber und alleine machen konnte
Weil kein Lehrer eingreifen musste, konnte ich diese Übungen so oft wiederholen, wie ich wollte. Ich habe dafür meinen alten Dandy genommen, weil der langsam flog, leicht war und sich unkompliziert steuern ließ.
Ich habe diese speziellen Übungen an einem einzigen Tag bestimmt 30, 40 oder 50 Mal wiederholt. Und ich bin kein einziges Mal abgestürzt! Es gab vielleicht mal eine etwas härtere Landung, aber keinen Bruch.
An diesem Abend bin ich an den Zeltplatz zurückgekommen und wusste: Jetzt ist der Knoten geplatzt. Innerhalb von zwei, drei Tagen habe ich die Übungen immer weiter gesteigert, bin danach meinen schweren Elektrosegler geflogen – und plötzlich hat alles absolut sicher funktioniert. Nach dem Zeltlager bin ich heimgekommen und konnte fliegen.
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Fazit: Echte Sicherheit entsteht nicht am Kabel, sondern durch Verständnis
Mein eigener Weg hat drei Jahre gedauert – drei Jahre voller Frust, Reparaturen und Zweifel. Dabei hätte es diese lange Zeit nie gebraucht, wenn ich gleich mit dem richtigen System angefangen hätte.
Wer erfolgreich Modellfliegen lernen als Anfänger will, muss typische Modellflugzeug Anfängerfehler nicht jahrelang wiederholen:
Lass dir nicht einreden, dass du jahrelang an einem Lehrer-Schüler-Kabel hängen musst
Am Kabel lernst du nicht, wie du dich alleine aus kritischen Fluglagen rettest
Entscheidend ist, dass du genau verstehst, wie ein Flugzeug fliegt und warum es auf Steuerbefehle reagiert
Mit einfachen, gezielten Übungen, die du eigenständig und ohne Angst vor einem Absturz wiederholen kannst, baust du echte Reflexe auf
Am Ende musst du schließlich nicht mit Fluglehrer sicher sein, sondern ganz alleine auf der Wiese sicher fliegen und landen können. Wenn das Verständnis da ist, stellen sich die Erfolge im Modellflug nicht erst nach Jahren ein, sondern innerhalb kürzester Zeit.
Ich wünsche Dir viele gute Flüge und sichere Landungen. ✈️
Servus, bis bald,
Dein Max
